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fotodiskurs 22

NO shame

Pipilotti Rist (Video), Nena Cermak (Textilobjekte), Helen Hines & Avélina De Ment (Foto-Sound-Installation), Miriam Lenk (Plastik), Olga Wiedenhöft (Fotografie)

Ausstellungsansicht fotodiskurs 22 'NO shame' Foto © Christof Rehm, VG Bild-Kunst, Bonn 2025

Die Aufgabe der Kunst ist es, zur Evolution beizutragen, den Geist zu ermutigen, einen distanzierten Blick auf soziale Veränderungen zu garantieren, positive Energien zu beschwören, die Sinne und die Sinnlichkeit zu fördern, den Verstand und den Instinkt zu versöhnen, Möglichkeiten auszuloten und Klischees und Vorurteile zu zerstören.

Pipilotti Rist

fotodiskurs 21

sacra conversazione

Bruno Wank (Plastik), Christof Rehm (Fotografie)

Nervus Erotis

Dass uns nach all’ der heissen Tagesglut
Nicht eine Nacht gehört ...
Die Tuberosen färben sich mit meinem Blut,
Aus ihren Kelchen lodert’s brandrot!
Sag’ mir, ob auch in Nächten Deine Seele schreit,
Wenn sie aus bangem Schlummer auffährt,
Wie wilde Vögel schreien durch die Nachtzeit.
Die ganze Welt scheint rot,
Als ob des Lebens weite Seele blutet.
Mein Herz stöhnt wie das Leid der Hungersnot,
Aus roten Geisteraugen stiert der Tod!
Sag’ mir, ob auch in Nächten Deine Seele klagt,
Vom starken Tuberosenduft umflutet,
Und an dem Nerv des bunten Traumes nagt.

Else Lasker-Schüler, Styx, 1902

mehr auf -> www.photography-now.com

fotodiskurs 20

Eros aber ist ...

Laura Lacrampe (Fotografie), Christof Rehm (Porzellan)

little death valley

i fold in on myself
crumbles like earth
that hasn’t tasted water
whose tongue is carved with crevices
i fall
and misshape what is left
until
knees buried in that very dust
my only eyes beg to the sky
to flood me until
rain has filled the
most contorted hidden corners
and trickles fill dead river beds

Lea Meerkamp, 2025

fotodiskurs 19

polyphonie

Ausstellung zum 10-jährigen Bestehen des fotodiskurs

Zum zehn-jährigen Bestehen des fotodiskurs wurden alle bisher beteilgten Künstlerinnen und Künstler gebeten, eine Arbeit eigener Wahl für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen und eine Gedicht oder einen literarischen Text für das Booklet beizufügen, der zu ihrem Werk oder zu ihnen als KünstlerIn passt. Fast alle sind dieser Bitte gerne nachgekommen. Das Ergebnis ist eine große Retrospektive von Neuem und Bekanntem auf kleinem Raum, ein vielstimmiges Ganzes.
Zu sehen sind Arbeiten von Darren Almond, Jeff Cowen, Christoph Dittrich, Walker Evans, NASA, Joan Fontcuberta, Johannes Franzen, Michael Golf, Anja Güthoff, Franz Hoke, Stefan Kiess, Jiwon Kim, Werner Knaupp, Jürgen Knubben, Ingar Krauss, Wolfgang Mennel, Harry Meyer, Bernhard Paul, Christof Rehm, Bernd Rummert, Edward Steichen, Sayako Sugawara, Thomas Weil, Ulrich Wirth und Rudolf Zimmermann

fotodiskurs 18

nameless

Jeff Cowen (Fotografie), Werner Knaupp (Eisenplastiken)

Then since we mortal lovers are,
  Ask not how long our love will last;
But while it does, let us take care
  Each minute be with pleasure past:
Were it not madness to deny
  To live because we‘re sure to die?

George Etherege (1635–1691)

fotodiskurs 17

homage to Edward Steichen

Christof Rehm (Malerei, Bio-Art)

Man möchte sich also am liebsten auf das rote Sofa im fotodiskurs setzen und nur schauen. Und da gibt es in diesem asketisch reduzierten Schwarz-Weiß-Arrangement viel zu sehen. Kontemplation ist heutzutage ja mindestens so verrufen wie „Ästhetik“ – aber genau das braucht es hier. Und dafür wäre eine Haltung gar nicht so übel, die mit dem Begriff „Demut“ mindestens ebenso viele negative, weil christliche, wenn nicht sogar christlich-soziale Implikationen hat. Es ist eben aus der Mode, sich auf andere Dinge einzulassen, ohne gleich an ein Selfie zu denken oder einen Post.

Christoph Hessel

fotodiskurs 16

unseen life

Ingar Krauss (Fotografie), Jürgen Knubben (Plastik)

Der Sämann.
Sieh! voll Hoffnung vertraust du der Erde den goldenen Saamen
Und erwartest im Lenz fröhlich die keimende Saat.
Nur in die Furche der Zeit bedenkst du dich Thaten zu streuen,
Die, von der Weisheit gesät, still für die Ewigkeit blühn?

Friedrich Schiller, Musen-Almanach für das Jahr 1796

fotodiskurs 15

anthropos

Rudolf Zimmermann (Fotografie), Franz Hoke (Radierung)

Wir sind in der ungefähr zehntausendjährigen Geschichte das erste Zeitalter, in dem sich der Mensch völlig und restlos ›problematisch‹ geworden ist; in dem er nicht mehr weiß, was er ist; zugleich aber auch weiß, daß er es nicht weiß.

Max Scheler, Mensch und Geschichte, 1929

fotodiskurs 14

phytosphäre

Darren Almond (Fotografie), Christof Rehm (Fotografie), Bernd Rummert (Plastik)

To make a prairie
To make a prairie it takes a clover and one bee,
One clover, and a bee,
And revery.
The revery alone will do,
If bees are few.

Emily Dickinson

Buchpräsentation

A heap of broken light

Mit der Ausstellung A heap of broken light stellte Christof Rehm im Mai 2023 sein Buch mit dem gleichlautenden Titel vor. Darin widmet er sich der fotografischen Auslotung von Landschaft. Er reduziert sie auf das Wesentliche: Stein und Wasser, Licht und Schwarz. Indem Rehm das Motiv vom Abbild löst, wird die Landschaft zum Bild und das Bild durchlässig für andere Erfahrungen. Im Buch treten Texte von T.S. Eliot bis SAID zu den Fotografien und fügen mit ihrem sprachlichen Klang dem Werk eine weitere Dimension hinzu.

Ausstellungsansicht 'A heap of broken light II, © Christof Rehm, VG Bild-Kunst Bonn'

Das Buch von Christof Rehm (96 Seiten) erscheint zur Eröffnung der Ausstellung am 7. Mai. Signierte Exemplare können für 88,- Euro plus 4,- Euro Versand unter mail@fotodiskurs.de bestellt werden.

Ausschnitt des Bildes 'C011' von Christof Rehm aus seinem Buch 'A heap of broken light'

Buch und Ausstellung werden ermöglicht durch

Steiner Stiftung München Stadt Augsburg Arno Buchegger Stiftung

fotodiskurs 13

luna X

Anja Güthoff (Objekte, Fotografie), NASA (Fotografie)

There is a theory which states that if ever anyone discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable.
There is another theory which states that this has already happened.

Douglas Adams, The Restaurant at the End of the Universe

fotodiskurs 12

furor

Werner Knaupp (Malerei), Christof Rehm (Fotografie)

Ewiges Schweigen hütet auch hier die Geheimnisse der unberührten Natur. Kein Wechsel wandelt durch diese Zonen, nur Sonne, Stürme, Nebel und Schnee schmücken sie oder verhüllen sie in Grauen. Mit einem Ewigkeitshauch streift uns Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die ohne Grenzen ineinander fluten.

Ina von Grumbkow, Ísafold - Reisebilder aus Island, Berlin 1909

fotodiskurs 11

sporenland

Sayako Sugawara (Fotografie), Heinrich Schildknecht (Fotografie)

Du hast ihn nach seinem Reiseziel gefragt. „Lingshan.“ „Wie?“ „Lingshan, ling steht für Seele, Shan bedeutet Berg.“ Du hast China von Norden bis Süden bereist und bist auf so manchem berühmten Berg gewesen, aber von diesem Ort hattest du noch nie gehört.

Gao Xingjan, Der Berg der Seele, Frankfurt a. Main 2001

fotodiskurs 10

technisch einwandfrei

Michael Golf (Serigrafie), Bohrkernprobe aus Hiroshima

Ich werde ein paar Schafe kaufen und alles, was man sonst für das Schäferamt braucht, und mich Schäfer Quijotiz nennen und du dich Schäfer Panzino, wir ziehen durch Berge, Wälder und Wiesen, mal singen wir ein bisschen, laben uns am flüssigen Kristall der Quellen oder am Wasser der kleinen Bächlein oder der mächtigen Flüsse. Die Steineichen werden das Füllhorn ihrer süßen Früchte über uns ausgießen, die harten Korkeichen uns als Bank dienen, die Weiden Schatten spenden, Wohlgeruch die Rosen, einen farbenfroh schillernden Teppich die weiten Wiesen, den Odem die klare, reine Luft, Mond und Sterne ihr Licht, der finsteren Nacht zum Trotz, der Gesang wird uns Vergnügen schenken, das Klagen Freude, Apollo Verse, die Liebe die herrlichsten Gedanken, mit denen wir ewigen Ruhm erlangen werden, nicht nur in unserer Zeit, nein, auch in künftigen Jahrhunderten.

Cervantes, Don Quijote von der Mancha, übersetzt von Susanne Lange, München, 2008

fotodiskurs 9

borrowed landscaped

Christof Rehm (Fotografie), Harry Meyer (Malerei)

Die Natur ist in ihrer kristallisch klaren Formensprache allzeit der größte Lehrmeister der Menschen gewesen. Eine große Liebe zu ihr war nie "modern" oder "veraltet"! Sie ist uns aber besonders wertvoll und darum besonders nahe in einer Zeit der Ernüchterung und der Selbstbestimmung, in der wir heute leben.

Alfred Ehrhardt, Die Kurische Nehrung, 1938

fotodiskurs 8

Trauma: kränkelde Bilder

Joan Fontcuberta (Fotografie), Bernd Rummert (Plastik)

Agut takes the story of Penelope as a metaphor for representation and the meaning this may have. Penelope cannot offer her shroud to Odysseus ‘because, continually interrupted, continually unwoven, it represents nothing ... Penelope is the expectation of representation. She is the making and unmaking engaged in by every artist’s mind and hands’.(Pep Agut) Agut seems to be giving us a poetic message: it is only by making and unmaking the photograph that we become photographers.

Joan Fontcuberta, Well, what is photography, in: Dialogue between Joan Fontcuberta and Geoffrey Batchen (correspondencias.fotocolectania.org) 2016

fotodiskurs 7

Verwerfung

Stefan Kiess (Fotografie), Katja von Lübtow (Plastik)

Es ist alles eitel

Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiesen sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

Was jetzt noch prächtig blüht, soll bald zertreten werden.
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch’ und Bein,
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

Der hohen Taten Ruhm muss wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach! Was ist alles dies, was wir für köstlich achten,

Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind;
Als eine Wiesenblum’, die man nicht wieder find’t.
Noch will, was ewig ist, kein einzig Mensch betrachten!

Andreas Gryphius (1616-1664)

fotodiskurs 6

Museum

Jiwon Kim (Fotografie), Minyoung Paik (Objekt)

Die Illusion, im Museum habe sich eine marktfreie Zone des Guten, Wahren und Schönen - sozusagen das stubenreine Gegenstück zum Sperrbezirk des Tauschwerts - bis heute erhalten, ist das letzte Echo einer aufwendigen bürgerlichen Verdrängungsarbeit, die im Museum einst ihr Marktreservat errichtete.
Dabei kann das Kunstmuseum heute kaum noch als moralischer Gegenspieler des Kunstmarkts gelten, es hat sich vielmehr längst als Mitspieler erkenntlich gezeigt. Wie ein Entsorgungspark entlastet es den Markt, der als gewaltiger Teilchenbeschleuniger mehr Partikel in Umlauf bringt, als er abstoßen kann, und daher für End-, ja, schon für Zwischenlager dankbar ist.

Walter Grasskamp, Die unästhetische Demokratie. Kunst in der Marktgesellschaft, München 1992

fotodiskurs 4

1024 x 768

Johannes Franzen (Fotografie), C.R. (-)

Nur selten kommen die Kommentatoren von Sigmar Polkes Werk ohne den Hinweis auf eines seiner berühmtesten Gemälde von 1969 aus: die weiß grundierte Leinwand, deren rechte obere Ecke schwarz gemalt ist. Am unteren Bildrand kann man auch die Begründung für diese simple Darstellung lesen: Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen! Dieses Bild sei – so fasst etwa Hajo Müller in seiner Rezension einer Polke-Ausstellung zusammen – „ein ziemlich albernes und ziemlich berühmtes Bild, das damals, 1969, auf eine schöne Entheiliger-Karriere deutete“. Der Künstler habe sich damit in bester Dada-Manier selbst ad absurdum geführt, indem er sich durch den ironischen Kommentar jeder Verantwortlichkeit für seine Malerei entzogen habe. An seine Stelle sind nun die höheren Wesen getreten. Der Maler ist dagegen nur noch der Ausführende ihrer Befehle.

Christian Spies, Sigmar Polke. Die Vervielfältigung des Humors. Die Editionen in der Sammlung Ciesielski, Ausstellungskatalog Museum für Gegenwartskunst Siegen/les Abbatoirs - Frac Midi-Pyrénées, Toulouse, Köln 2013

fotodiskurs 3

(...)

Ulrich Wirth (Fotografie), Walker Evans (Fotografie)

Ja, so könnte es anfangen, hier, einfach so, auf eine etwas schwerfällige und langsame Weise, an diesem neutralen Ort, der allen und niemandem gehört, wo die Leute aneinander vorbeigehen, fast ohne sich zu sehen, wo das Leben im Haus gedämpft und gleichmäßig nachhallt.

Georges Perec, Das Leben. Gebrauchsanweisung

fotodiskurs 2

Diotima

Christof Rehm (Fotografie), Platon (Symposion)

ἀλλὰ τίς σοι διηγεῖτο;
“Wer erzählte dir davon? Sokrates selbst?”
ἢ αὐτὸς Σωκράτης; Οὐ μὰ τὸν Δία, ἦν δ ̓ ἐγώ, ἀλλ ̓
“Oh nein, bei Zeus,” sagte ich, “der, von dem auch Phönix
ὅσπερ Φοίνικι· Ἀριστόδημος ἦν τις, Κυδαθηναιεύς,
es hat. Er hieß Aristodem, aus Kydathen, der Kleine, der
σμικρός, ἀνυπόδητος ἀεί·
immer barfuß geht. (...)”

Platon, Symposion

fotodiskurs etc

intermezzo und weitere

Neben weiteren kurzen Ausstellungsformaten präsentiert fotodiskurs in unregelmäßigen Abständen als intermezzo Fotografien in einem Leporello. Pick up art und die Beteiligung am art3kultursalon im tim (Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg) sind weitere Präsentationen des fotodiskurs.

fotodiskurs auswärts

Art X Augsburg

Art X Augsburg ist ein Netzwerkprojekt für Bildende Kunst im Projektraum augsburg contemporary. Die gastgebende Galerie Zweigstelle Berlin sowie kulturelle Institutionen und Galerien aus Augsburg zeigen jeweils paarweise neue Positionen. fotodiskurs freut sich, als erstes einen Künstler bei diesem Netzwerkprojekt präsentieren zu dürfen. Die Eröffnungsausstellung werden Johannes Franzen vom fotodiskurs und Florian Ecker von der Galerie Zweigstelle Berlin unter dem Titel latent | Bild | skulptural bestreiten.

Johannes Franzen, latent - machine world
"(...)What, he (Johannes Franzen) might have asked himself in the present work, happens if you let go of two interacting neural networks (...), but systematically frustrate and undermine their way out of the intended solution? Accordingly, what becomes visible when the machine's creativity, which is dependent on complexity reduction, is so short-circuited with an (over­ complex) section of the world that it has to continually struggle against its own idle state? Finally, continuing: What is the status of what becomes visible here if it is related to the visible world?"

Michael Wefers